Über mich

Ich habe Diabetes selbst im Alter von 22 Jahren bekommen, einem Alter, in dem man als junger Mensch deutlich andere Dinge als eine chronische Stoffwechselkrankheit im Kopf hat. Meine Ziele damals waren als erfolgreicher Banker in Frankfurt Karriere zu machen, einen sportlicher Körper und eine hübsche Freundin zu haben. Stattdessen habe ich plötzlich 10 kg abgenommen, hatte ständig Durst und musste entsprechend alle halbe Stunde auf´s Klo. 


Das waren nicht grade gute Voraussetzungen für mein Leben!


Dann ging´s los mit Krankenhaus, Insulin, Blutzuckermessen, Spritzen, Pens und einer Ärztin, die mir auf meine Frage, was mit dem Diabetes auf mich zukommt, gesagt hat: „Stellen Sie sich darauf ein, dass wir Ihnen in 10 Jahren ein Bein abnehmen müssen.“ 


Das hat gesessen! 


Der Diabetes und diese Aussage waren im ersten Moment zu viel für mich und haben mich für die folgenden drei Jahre geprägt. Erstens wollte ich, dass kein Außenstehender merkt, dass ich Diabetes habe, und  so habe ich, so gut es ging versucht, diesen zu verheimlichen. Zweitens habe ich trotz aller Aufklärungsversuche meiner begleitenden Ärzte es nicht geschafft, die Aussage zu meinem Bein aus dem Kopf zu bekommen. Ich habe versucht, mit mir selbst auferlegten besonders niedrigen Zielwerten, faktisch keinen Diabetes zu haben, und so mein Bein zu retten. 


Ich hatte Angst!


Nach drei Jahren kam von außen das Thema Insulinpumpe auf. Das habe ich erstmal schlichtweg abgelehnt: die Pumpe und der Schlauch ließ sich nicht mit mir (den Diabetes durfte keiner sehen) und meinem Körpergefühl (Pumpe und Schlauch für 24 Stunden am Körper geht mal gar nicht) 

verbinden. 


Mein Diabetes sollte für alle unsichtbar sein!


Aus heutiger Sicht kann ich sagen, dass ich überfordert und allein mit mir war. Ich habe aber gelernt, dass es wichtig ist, Menschen in seinem Umfeld zu haben, die einen unterstützen und Halt geben, aber auch bereit sind, Dinge kritisch zu hinterfragen und die eigene Blickrichtung und Wertung verändern. Hier habe ich Glück gehabt, dass ich Menschen gefunden habe, die mir zur Seite gestanden und mich bestärkt hatten, da sie mir den Raum gegeben haben, mich zu entwickeln.


Ich habe jetzt seit über 20 Jahre Diabetes und der Diabetes hat mein Leben verändert. Ich habe eine andere Karriere gemacht, als ich mir vorgestellt hatte und es hat sich auch einiges anders in meinem Leben entwickelt, als ich es geplant hatte. Aber ich führe heute trotz oder vielleicht auch grade mit meinem Diabetes ein herausforderndes Leben, indem ich viele neue Dinge angehe und umsetze. Mein Leben ist alles andere als langweilig oder für den Diabetes angepasst – angefangen bei Ernährung und Sport, meinem Beruf, meiner Freizeit oder meiner Zukunft. Ich fühle mich gesund und bin angekommen. 


Mein Leben ist bunt statt grau!